Seit einiger Zeit gibt es ein neues Angebot für Verstorbene und ihre Angehörige: Eine Firma in der Schweiz will ihr Geld damit verdienen, aus der Asche eines Toten einen Diamanten zu pressen. Ich muss ehrlich sagen, es fällt mir schwer darüber nicht allzu ironisch zu schreiben. Wäre doch ein schönes "letztes" Geschenk für meine Frau, dann hat sie mich immer an der Kette dabei, auch wenn ich gestorben bin. Naja …
Aber nun ernsthaft. Inzwischen ist vor dem Amtsgericht Wiesbaden sogar schon ein Rechtstreit darüber verhandelt worden, ob die Asche von Verstorbenen zu Diamanten verarbeitet werden darf. Das ganze Thema hat natürlich sehr vielfältige Facetten.
1. Seit vielen Jahren wird darüber gestritten, ob die Friedhofsordnung der Bundesrepublik, bzw. der Bundesländer, veraltet ist. In Deutschland gilt immer noch der so genannte Bestattungszwang. Das heißt, jeder Verstorbene muss auf einem öffentlichen Bestattungsplatz (z. B. Friedhof, Friedwald …) beigesetzt werden. Viele Angehörige wünschen sich aber individuellere Bestattungsmöglichkeiten.
2. Andererseits wird immer wieder betont, wie wichtig gerade in der schwierigen Zeit des Abschieds und der Trauer feste Rituale und auch feste Orte sind. Wenn es zum Beispiel keinen Beisetzungsort gibt (annonyme Bestattung, Vermisste …), dann berichten Angehörige oft davon, wie schwer es ihnen fällt, dass sie keinen Ort zum Trauern haben. Und was Traditionen und Rituale angeht, erfahre ich als Pfarrer regelmäßig, dass es Angehörigen gut tut, wenn sie gar nicht groß nachdenken und jedes Detail entscheiden müssen. Wenn man sich darauf verlassen kann, dass alles in Würde und "so wie es sich gehört" geschieht, dann sind gerade die ersten Tage leichter zu ertragen.
3. Die Kirche hat sich in verschiedener Hinsicht modernen Bestattungswünschen angepasst. Ich selbst habe schon die verschiedensten Bestattungen durchgeführt, an verschiedensten Orten, mit Gedichten, modernem Liedgut (teilweise von CD eingespielt) und so weiter und so fort. Die Kirche und auch einzelne Pfarrer haben lange darum gerungen, sich diese Freiheit zu erarbeiten. So hat die evangelische Kirche erst 1920 den Widerstand gegen die Verbrennung von Toten aufgegeben. Heute ist dies selbstverständlich.
4. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass es eine Grenze gibt, die wir als Menschen und vielmehr noch als Christen nicht überschreiten sollten. So ist meines Erachtens unbedingt festzuhalten, dass der Mensch auch im Tod ein von Gott geschaffenes und geliebtes Wesen ist und bleibt. Ob damit das "Tragen eines Toten als Schmuckstück" zu vereinbaren ist, scheint mir zweifelhaft.
5. In allen Fällen aber gilt immer, dass danach gefragt werden muss, was Menschen gut tut. Also Fragen wie: Was hat der Verstorbene sich gewünscht? Was hilft den Angehörigen jetzt mit dem Abschiednehmen umzugehen? Wie können die Angehörigen später ihre Trauer verarbeiten? …
Dazu gehört aus meiner Sicht unter anderem folgendes:
- Vorbereitung auf den Tod mitten im Leben, Beschäftigung mit dem Thema, Verfassen einer Patientenverfügung …
- Bewusstes Abschied nehmen:Aussegnung, Trauerfeier, ein fester Ort (z. B. auf dem Friedhof), individuelle Gestaltung der Trauerfeier innerhalb eines allgemeingültigen Rahmens (christlicher Gottesdienst) …
- Trauerarbeit: nicht vor der Begegnung mit den Erinnerungen fliehen (Bilder anschauen, mit anderen darüber reden, nicht sofort in Urlaub fahren …), Jahrestage begehen …
Es gibt sicher noch eine Menge mehr zu sagen. Ich hoffe, es gibt zu diesem Thema mal einige Kommentare. Aber auch, wer hier nichts schreiben will, ist herzlich eingeladen, sich mit mir in Verbindung zu setzen (Tel. 395),
Mit herzlichen Grüßen und bleiben Sie behütet
Uwe Hermann, Pfr.